CHAPTER 1: Das Blut im Mahagonischrank des Kanzlers
Part 1
Als die Erste Stabschefin des Bundeskanzleramtes in Berlin eine ungewöhnliche Blutspur im scheinbar sicheren Dossierschrank des Bundeskanzlers entdeckt und sofort den BKA-Notruf wählt, fällt hinter ihr plötzlich die Tür ins Schloss.
Das Mahagoni im Büro von Bundeskanzler Dr. h.c. Henrik Westermann roch nach schwerem Leder und teurem Parkettwachs.
Clara von Berg strich über das glatte Revers ihres Kostüms, während ihre Fingerspitzen die letzten Akten für den anstehenden G7-Gipfel ordneten.
Die Berliner Nacht lag schwer und dunkel gegen die Dreifachverglasung des Regierungsviertels.
Es war kurz nach Mitternacht, und im gesamten Westflügel herrschte absolute Stille.
Clara trat an den massiven Dossierschrank aus dunklem Holz, um die Sicherheitskopien der Protokolle einzuschließen.
Ein schmaler, rötlicher Streifen zog sich an der Unterseite der linken Schranktür entlang.
Sie hielt den Atem an und ging langsam in die Knie.
Eine frische, noch feuchte Blutspur lief aus dem verdeckten Unterfach herab und bildete eine kleine Lache auf dem Parkett.
Der Geruch von Eisen stieg ihr in die Nase.
Ihre Hand zitterte leicht, als sie das schwere Diensttelefon aus der Tasche zog.
Mit schnellen Fingern tippte sie die direkte Notrufnummer des Bundeskriminalamtes ein.
Ein leises Klicken ertönte in der Leitung.
Plötzlich fiel hinter ihr die massive Flügeltür ins Schloss.
Das Einrasten des Riegels hallte wie ein Peitschenhieb durch den leeren Raum.
Clara wirbelte herum.
Im Halbdunkel stand Bundeskanzler Westermann.
Sein Gesicht war von einer verstörenden, zuckenden Frimassage verzerrt.
Was nach diesem Moment geschah, steht im ersten Kommentar, denn genau dort fing die Wahrheit an ans Licht zu kommen.
Part 2
Der Kanzler schließt langsam die schwere Büchertür hinter sich ab.
Clara hält das Display des Diensttelefons fest umklammert, während die Notrufnummer des BKA auf dem Bildschirm leuchtet.
Westermann tritt einen Schritt näher an den Mahagonischrank heran.
Seine Hände zittern, und ein feiner Schweißfilm glänzt auf seiner Stirn.
Er darf die Polizei nicht rufen, flüstert er mit brüchiger, fast tonloser Stimme.
Clara starrt ihn an, während ihr die Luft zum Atmen weicht.
Andernfalls wird das Leben ihrer eigenen Schwester sofort ausgelöscht, presst Westermann hervor.
In diesem exakten Augenblick vibriert Claras Mobiltelefon in der Manteltasche.
Eine unheimliche, unbekannte Nummer leuchtet auf dem Display auf.
Clara drückt mechanisch auf die Annahmetaste.
Eine verzerrte Computerstimme teilt ihr mit, dass ihre Schwester im Berliner Hauptbahnhof festgehalten wird.
Jeder einzelne Schritt von ihr wird von Kameras überwacht.
KAPITEL 2: Der Notruf, der im leeren Raum verhallte
Clara lässt das Mobiltelefon sinken. Der Atem stockt in ihrer Kehle.
Das Display zeigt immer noch die Notrufnummer des Bundeskriminalamtes an. Sie tippt mit zitternden Fingern auf das rote Hörersymbol, um die Verbindung zu trennen.
Dr. h.c. Henrik Westermann tritt einen Schritt näher an den schweren Mahagonischrank heran. Seine Hände zittern, während er das Blut an der Holzverkleidung mustert.
Die Blutspruren stammen nicht von ihm, flüstert er mit brüchiger Stimme. Sie gehören zu Ihrem Amtsvorgänger, der vor genau drei Wochen spurlos verschwunden ist.
Clara presst den Rücken gegen die kalte Glasscheibe des Kanzleramtsfensters. Ihre Augen verengen sich zu Schlitzen, während sie den Kanzler fixiert.
Sie haben ihn also beseitigt, bringt sie tonlos hervor.
Westermann schüttelt heftig den Kopf. Der Schweiß steht ihm auf der Stirn.
Jemand will uns beide vernichten, zischt er leise.
Draußen auf dem gefliesten Flur ertönt ein dumpfer Aufschlag. Metallische Schritte nähern sich der Flügeltür im Gleichschritt.
Schwere Stiefel der BKA-Sicherheitsgruppe schlagen auf dem Boden auf. Markus Brenner ruft laut nach der Stabschefin.
Clara greift reflexartig nach dem Aktenkoffer auf dem Konferenztisch. Westermann packt ihren Handgelenk und zieht sie in Richtung der privaten Garderobe.
Wir müssen hier sofort verschwinden, flüstert der Kanzler drängend.
KAPITEL 3: Die Nacht im labyrinthartigen Untergrund des Paul-Löbe-Hauses
Der geheime Wartungstunnel unter der Spree riecht nach feuchtem Beton und altem Kabelstaub. Clara folgt dem Kanzler im Laufschritt durch das schummrige Licht der Notbeleuchtung.
Sie erreichen eine schwere Stahltür am Ende des Ganges. Westermann drückt einen versteckten Zifferncode in das elektronische Schloss.
Das Tor schwingt mit einem leisen Summen auf. Dahinter liegt das nächtliche Paul-Löbe-Haus, vollkommen leer und gespenstisch still.
In einer fensterlosen Nische sitzt Janosch Meier vor drei aufgestellten Laptops. Das Tastaturklappern hallt metallisch durch den Raum.
Meier reißt die Augen auf, als die beiden aus dem Schacht stolpern. Seine Finger fliegen über die Tasten, um die Bildschirme zu verdunkeln.
Ich werde hier komplett überwacht, stammelt der IT-Sicherheitsbeauftragte.
Westermann fällt auf einen Stuhl neben den Servern. Er deutet auf die blinkenden Monitore vor Meier.
Zeigen Sie ihr, wer das System manipuliert hat.
Meier klickt nervös auf eine Datei mit dem Namen ‚Root-Zugriff‘. Ein Videostream öffnet sich und zeigt den Korridor vor dem Kanzlerbüro.
Staatssekretär Althoff hat die Kameras ferngesteuert, flüstert Meier. Er hat die Blutspuren gezielt dort platziert, um Sie als Täterin dastehen zu lassen.
KAPITEL 4: Das falsche Geständnis auf den Stufen des Reichstags
Das schwere Metalltor des Wartungstunnels fliegt mit einem lauten Knall aus den Angeln. Scheinwerfer blenden grell durch den Raum.
Hauptkommissar Stefan Brückner tritt mit gezogener Dienstwaffe als Erster durch den Rauch. Hinter ihm strömen bewaffnete SEK-Beamte in den Raum.
Keiner bewegt sich, ruft Brückner mit fester Stimme.
Markus Brenner drängt sich an den Beamten vorbei nach vorn. Seine Uniform sitzt tadellos, aber in seinen Augen liegt ein kalter Triumph.
Da haben wir sie ja, ruft Brenner laut in den Raum.
Er zeigt mit ausgestrecktem Arm direkt auf Clara. In seiner Hand hält er eine ausgedruckte Akte mit gefälschten Beweisen.
Clara von Berg hat den Amtsvorgänger im Kanzleramt ermordet, verkündet Brenner.
Clara starrt ihren vermeintlich treuen Weggefährten fassungslos an. Der Puls rast in ihren Schläfen, während ihr die bittere Erkenntnis dämmert.
Du warst der Maulwurf, der alles inszeniert hat, flüstert sie.
Brenner nickt kalt und winkt zwei Polizisten herbei. Die Handschellen klicken eiskalt um Claras Handgelenke.
KAPITEL 5: Die geheime Spur in der Charité-Rechtsmedizin
Der Transporter des BKA biegt scharf in die Einfahrt der Charité ein. Sarah Lindner wartet im Schatten eines Lieferwagens und wirft eine kleine Rauchgranate vor die Reifen.
Chaos bricht aus, als die Beamten die Sicht verlieren. Sarah greift Clara am Arm und zieht sie in den Nebeneingang der Pathologie.
Dr. Elena Rost steht bereits am Edelstahltisch und blickt kühl auf ein Reagenzglas. Sie zieht Gummihandschuhe aus und deutet auf das Mikroskop.
Ich habe die DNA aus dem Schrank sequenziert, sagt Dr. Rost ohne Umschweife.
Clara reibt sich die schmerzenden Handgelenke. Sarah lehnt sich atemlos gegen die geflieste Wand.
Es ist eine reine Mischspur, fährt Dr. Rost fort. Das Blut des Vorgängers wurde mit der DNA von Staatssekretär Thomas Althoff vermischt.
Plötzlich schlagen draußen im Flur schwere Stiefel auf den Boden. Stimmen rufen laut nach Verstärkung, während das BKA das Gebäude umzingelt.
Die stürmen das Gebäude, flüstert Sarah panisch.
Dr. Rost schiebt Clara einen winzigen USB-Stick über den Stahl, auf dem die forensischen Beweise gespeichert sind. Sichern Sie das, bevor sie hier sind, sagt die Ärztin und weist auf den Notausgang.
KAPITEL 6: Das Tagebuch aus der Bundestagskantine
Janosch Meier beugt sich über den letzten Laptop in der abgedunkelten Kantine des Bundestages. Seine Finger tippen den Entschlüsselungscode ein, den er aus dem Schließfach geborgen hat.
Ein digitales Tagebuch öffnet sich auf dem Schirm. Die ersten Seiten des Dokuments flimmern im blauen Licht des Monitors.
Meier liest die Zeilen mit vor Panik geweiteten Augen. Er schaut kurz zu Clara auf, die hinter ihm steht.
Es geht um einen gigantischen Rüstungsdeal, flüstert Meier.
Vierundhalb Milliarden Euro sollen im Hintergrund fließen. Althoff hat den Deal mit ausländischen Investoren eingefädelt.
Clara liest die nächsten Absätze auf dem Bildschirm. Jedes Detail der systematischen Erpressung ist dort lückenlos dokumentiert.
Ihr Amtsvorgänger wollte diesen Vertrag nicht unterzeichnen, sagt Clara leise.
Deshalb haben sie ihn aus dem Weg geräumt und meine Schwester als Druckmittel missbraucht, fügt sie hinzu.
Sarah Lindner tippt wild auf ihrem Smartphone, um die Kopie an die Redaktion zu schicken. Wenn das online geht, bricht die gesamte Regierung zusammen, sagt die Journalistin.
KAPITEL 7: Der Countdown im Bundesinnenministerium
Clara stößt die schwere Doppeltür zum Dienstzimmer von Staatssekretär Althoff auf. Das Tablet in ihrer Hand streamt das Live-Signal direkt an alle großen Medienhäuser.
Althoff sitzt hinter seinem Mahagonischreibtisch und blickt von seinen Akten auf. Ein arrogantes Lächeln huscht über sein Gesicht.
Sie sind schnell, Frau von Berg, sagt Althoff und greift langsam in seine Schublade.
Clara bleibt mitten im Raum stehen und hält das Tablet hoch. Jedes Wort wird gerade bundesweit übertragen, sagt sie kühl.
Althoff zieht eine schwarze Pistole aus der Schublade und richtet sie auf Clara. Sie werden hier lebend nicht mehr herauskommen, zischt er.
Die Flügeltür fliegt plötzlich aus den Angeln. Hauptkommissar Brückner stürmt mit gezückter Waffe in das Arbeitszimmer.
Waffe fallen lassen, Althoff, ruft Brückner mit lauter Stimme.
Brenner, der hinter Althoff steht, hebt langsam die Hände. Althoff starrt auf die rote Aufnahmelampe des Tablets und lässt die Pistole auf den Teppich fallen.
KAPITEL 8: Die Morgendämmerung über dem Spreebogen
Die ersten Sonnenstrahlen brechen über dem Regierungsviertel hervor. Staatssekretär Althoff wird in Handschellen von zwei Bundespolizisten zum wartenden Wagen geführt.
Markus Brenner folgt ihm kurz darauf mit gesenktem Kopf. Kameras blitzlichtartig erleuchten die Stufen des Bundeskanzleramtes.
Bundeskanzler Westermann tritt vor die versammelte Pressekonferenz und verkündet mit fester Stimme seinen sofortigen Rücktritt. Das politische System in Berlin ist erschüttert.
Clara steht auf den Stufen des Kanzleramtes und blickt über die glitzernde Spree. Ihre Schwester läuft ihr entgegen und schließt sie weinend in die Arme.
Clara erwidert die Umarmung fest und lässt den Blick über die Berliner Skyline schweifen. Das Vertrauen in den Staat liegt in Scherben, aber die Wahrheit hat gesiegt.
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